AnimagiC 2026: Zwischen Anime, Cosplay und immer mehr Gaming

von benjiton am 30. August 2026
Die AnimagiC ist auch 2026 keine Gaming-Messe. Im Mannheimer Rosengarten bestimmen weiterhin Anime, Manga, Cosplay und japanische Popkultur das Bild. Gleichzeitig wird Gaming als Teil dieser Mischung immer sichtbarer und wirkt dort inzwischen deutlich selbstverständlicher als noch als bloßes Zusatzprogramm.

Vom 31. Juli bis 2. August 2026 kamen nach Angaben des Rosengarten-Betreibers m rund 25.000 Besucher zur AnimagiC nach Mannheim. Entsprechend belebt war es auf den verschiedenen Ebenen, in Händlerbereichen, beim Künstlermarkt, vor Bühnen und Screenings und natürlich rund um die Cosplay-Flächen.

Für uns war dabei vor allem interessant, wie stark sich die Grenzen zwischen den einzelnen Szenen inzwischen auflösen. Wer Pokémon, Dragon Ball oder Captain Tsubasa mag, lässt sich ohnehin kaum sauber in „Anime-Fan“ oder „Gamer“ einsortieren. Gerade bei japanischen Marken und Publishern gehört beides längst zusammen.

Gaming bekommt seinen festen Platz

Die Games-Area belegte 2026 erneut eine komplette Ebene des Rosengartens. Nintendo war ebenso vertreten wie Capcom, Bandai Namco und PLAION. Dazu kamen Turniere, Mitmachangebote und ein Racing-Aufbau.

Zum spielbaren Angebot gehörten unter anderem Pokémon Pokopia, Yoshi und das geheimnisvolle Buch und Pragmata. Ergänzt wurde das Programm durch Just Dance, Fighting Games und Turniere mit Titeln wie Tekken 8, Street Fighter VI, Super Smash Bros. Ultimate und Mario Kart.

Das Konzept passt zur AnimagiC. Auf einer Convention muss eine Gaming-Fläche nicht wie eine klassische Spielemesse funktionieren. Viele Besucher wollen sich für eine Runde an einen Controller setzen, einen Titel kurz ausprobieren oder gegen andere antreten und danach weiter durch die Veranstaltung ziehen.

Ein zusätzlicher Racing-Bereich mit Assetto Corsa Rally, Lenkrad, Pedalen, Gangschaltung und optionaler VR-Brille brachte Abwechslung in ein Angebot, das ansonsten stark von Nintendo- und Fighting-Game-Titeln geprägt war.

Keine kleine gamescom und das muss sie nicht sein

Mit der gamescom konkurriert die AnimagiC damit nicht. Dafür sind Größenordnung, Publisher-Aufgebot und Anzahl der Anspielstationen völlig andere.

Spannender ist, warum Gaming hier funktioniert: Es steht nicht isoliert neben Anime und Manga, sondern ist Teil derselben Popkultur. Bandai Namco ist dafür ein naheliegendes Beispiel. Mit Dragon Ball Xenoverse 3 und Captain Tsubasa 2: World Fighters trafen Spiele auf Marken, deren Zielgruppen auf einer Anime-Convention bereits vor Ort sind.

Genau deshalb wäre es eher ungewöhnlich, wenn Gaming bei modernen Anime-Conventions keine Rolle mehr spielen würde. Games werden zu Anime, Anime-Marken zu Games, VTuber bewegen sich zwischen Streaming- und Gaming-Kultur, Mobile- und Gacha-Titel gehören für viele Fans ohnehin zum Alltag.

Die Games-Area wirkt dadurch nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie eine logische Erweiterung.

Im Rosengarten für uns unkompliziert

Organisatorisch verlief unser Besuch im Rosengarten weitgehend problemlos. Wir waren als Presse akkreditiert und kamen entsprechend unkompliziert durch den Einlass.

Das lässt sich allerdings nicht direkt auf reguläre Besucher übertragen. Gerade zu stark frequentierten Zeiten können sich an den Eingängen Warteschlangen bilden. Auch einen Platz bei jedem Programmpunkt garantiert das Convention-Ticket nicht.

Wir haben während unseres Besuchs keine Panels, Screenings oder Konzerte gezielt verfolgt und können deshalb nicht seriös beurteilen, wie häufig Säle voll waren oder Besucher nicht mehr hineinkamen.

Ähnlich vorsichtig fällt unsere Einschätzung bei den Wartezeiten an einzelnen Gaming-Stationen aus. Wir haben diese nicht systematisch gemessen. Auch in der Nachbereitung ergab sich allerdings kein Bild, bei dem ausgerechnet die Games-Area als zentrales Warteschlangenproblem der Veranstaltung herausstach.

Im Gebäude selbst wirkte das Publikum insgesamt gut durchmischt. Gaming, Cosplay, Anime und Manga existierten nicht in streng voneinander getrennten Blasen. Gerade diese Überschneidung gehört mittlerweile zum Charakter der AnimagiC.

Der eigentliche Kern bleibt Anime, Manga und Cosplay

Trotz der wachsenden Gaming-Präsenz bestand zu keinem Zeitpunkt Zweifel daran, wo der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt.

Japanische Gäste, Synchronsprecher, Publisher, Künstler, Konzerte, Screenings und vor allem die große Cosplay-Community prägen weiterhin das Wochenende. Gaming ergänzt dieses Angebot, ersetzt es aber nicht.

Das ist aus unserer Sicht eine wichtige Stärke. Die AnimagiC muss sich nicht neu erfinden, nur weil Videospiele mehr Raum bekommen. Sie kann dort wachsen, wo sich die Interessen ihrer Besucher ohnehin überschneiden.

Wer ausschließlich für Videospiele anreist, findet auf spezialisierten Gaming-Messen ein größeres Angebot. Wer sich dagegen zwischen Anime, Manga, Cosplay und Gaming bewegt, bekommt in Mannheim genau diese Mischung.

Rund um den Friedrichsplatz mit Fragezeichen

Kritischer fiel unser Eindruck außerhalb des Rosengartens aus. Der Friedrichsplatz und der Bereich rund um den Mannheimer Wasserturm gehören für viele Besucher längst zur AnimagiC-Erfahrung. Für Cosplayer und Fotografen bietet die Umgebung deutlich attraktivere Kulissen als ein Convention-Flur, entsprechend viel Community-Leben verlagert sich nach draußen.

2026 hatten wir allerdings den Eindruck, dass Ordnungsamt und andere zuständige Stellen zwar präsent, aber zurückhaltender als in manchen Vorjahren waren.

Weniger Kontrolle ist grundsätzlich nichts Negatives. Der Friedrichsplatz ist ein öffentlicher Raum und keine abgesperrte Convention-Zone. Gleichzeitig entstehen genau dadurch Reibungspunkte zwischen Community, Passanten und Menschen, die mit Anime oder Cosplay wenig anfangen können.

Wir haben einzelne Situationen erlebt, in denen Mitglieder der Community von Außenstehenden angepöbelt wurden. Dazu kamen Gruppen, bei denen Alkohol und allgemeine Feierlaune deutlich stärker im Mittelpunkt standen als die Veranstaltung selbst.

Das prägte keineswegs das gesamte Wochenende. Es war aber auffällig genug, um in Erinnerung zu bleiben.

Ein wenig erinnerte uns diese Entwicklung an den Japantag in Düsseldorf: Je größer und sichtbarer ein Event wird, desto mehr zieht es auch Menschen an, die vor allem wegen der öffentlichen Atmosphäre kommen. Das ist nicht automatisch ein Problem. Wenn daraus Belästigungen oder Konflikte entstehen, braucht es aber sichtbare Ansprechpartner und ein sinnvolles Maß an Eingreifen.

Für kommende Jahre wäre deshalb eine bessere Balance wünschenswert - weder überreguliert noch vollkommen sich selbst überlassen.

Essen: Mannheim statt Convention-Catering

Zur Gastronomie im Rosengarten können wir diesmal keine belastbare Bewertung abgeben. Wir haben dort nicht gegessen.

Stattdessen nutzten wir die Mannheimer Innenstadt und die Fressgasse. Gerade hier spielt der Standort einen Vorteil aus: Der Rosengarten liegt nicht auf einem abgeschotteten Messegelände, sondern praktisch mitten in der Stadt.

Wer für eine Mahlzeit kurz raus möchte, hat entsprechend viele Alternativen in Laufweite. Für uns war das die angenehmere Lösung.

Fazit: Die Mischung funktioniert

Die AnimagiC 2026 zeigt, wie selbstverständlich Gaming inzwischen zur Anime- und Popkultur gehört, ohne dass die Veranstaltung deshalb ihren Kern verliert.

Die eigene Games-Area ist groß genug, um relevant zu sein, aber nicht so dominant, dass aus der AnimagiC plötzlich eine kleine gamescom wird. Genau diese Größenordnung passt zur Veranstaltung. Nintendo, Bandai Namco, Capcom und andere Anbieter treffen hier auf ein Publikum, das ohnehin zwischen mehreren Medienwelten unterwegs ist.

Im Rosengarten funktionierte die Veranstaltung für uns organisatorisch unkompliziert, das Publikum wirkte gut gemischt und die unterschiedlichen Bereiche griffen schlüssig ineinander.

Das größere Fragezeichen bleibt der öffentliche Raum rund um den Friedrichsplatz. Die offene Atmosphäre am Wasserturm ist ein wichtiger Teil des Wochenendes, sollte aber auch für Cosplayer und Community angenehm bleiben.

Die Games-Area darf dagegen gerne bleiben und weiter wachsen. Nicht als Konkurrenz zur gamescom, sondern als das, was sie auf der AnimagiC am besten sein kann: ein weiterer Baustein einer Popkultur, deren Grenzen ohnehin längst verschwimmen.